Dr. Zeus

Narkoseärzte sind Einzelkämpfer, sagen einige meiner Kollegen. Wir stehen im OP meist am Kopfende des schlafenden Patienten. Die Chirurgen stehen dann irgendwo am Torso und erledigen ihr Handwerk. Neben mit stets jedoch immer Dr. Zeus. Oder Dr. Primus.

Mein Narkosegerät zeigt mir auf dem Bildschirm die wichtigsten Informationen an: Herzfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, wie viel Narkosegas in etwa in der Lunge des Patienten ist, Körpertemperatur.

Für alle diese Werte kann man Alarmgrenzen einstellen. Ist der Blutdruck zu hoch oder zu niedrig gibt es eine Alarmgeräusch und eine optische Erinnerung. Bing-bing-bing-bing-bing! Was man als erstes lernt, ist immer zuerst den Alarm-aus-Knopf zu drücken und erst anschließend zu überlegen, was denn nun das Problem ist. Ist es, wie so oft, ein Messfehler oder hat der Patient — und damit man selbst als Narkosearzt — ein Problem? Zusätzlich kann man mit Dr. Zeus auch die kontinuierliche Injektion von Medikamenten steuern, sowie die Applikation des Narkosegases.

Viele empfinden Narkosemaschinen als nervig. Ich habe einige Studenten erlebt, die meinten, sie könnten sich bei dem Gepiepse nicht konzentrieren, ja die Maschine würde sie regelrecht einschüchtern, das sei ja alles Gerätemedizin.

Im Gegensatz dazu sehe ich die Narkosemaschine also meinen großen Freund, der immer da ist. (Geräteausfälle gibt es extrem selten und wenn, da haben wir stets einen manuelle Backup in der Hinterhand.) Denn: Dr. Zeus hält mir den Rücken frei, Dr. Zeus ersetzt die fehlenden Hände, die ich nicht habe, Dr. Zeus warnt mich, wenn meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet ist.

Ich glaube, wenn man seine Narkosemaschine nicht als Freund und Helfer sieht, dann wird man in der Anästhesie nicht lange glücklich werden.